Die Zwischenwelt: A CERTAIN DEATH/THE SWAMP (German)
Mombaça griff für ihre Arbeit auf spekulative und poetische Verfahren zurück, die als eine ethische Praxis des Überlebens inmitten einer bereits angebrochenen globalen Krise fungieren. In Anlehnung an die von Octavia Butler geschriebenen Parabeln vom Sämann und von den Talenten, beleuchtet sie die Ausprägungen jener Verfahren. Olamina, die Hauptfigur der Parabeln, ist eine 15-jährige Person, die sich im Jahr 2025 in einer bereits eingetretenen Apokalypse befindet. Sie leidet am Hyperempathie-Syndrom, wodurch sie eine bedrohte Zukunft anhand gegenwärtiger Vorzeichen wahrnehmen kann. Damit, so Mombaça, verkörpert sie eine bedrohte Subjektivität. »God is change« konstituiert das Fundament der von Olamina entwickelten spekulativen Verfahren. Hierbei handele es sich um eine in poetischer Form gestaltete »experimentelle Theologie« (Mombaça 2021, 55), die trotz der durch die Unabwendbarkeit apokalyptischer Realitäten hervorgerufenen Angst ihre Handlungsfähigkeit zu aktivieren vermag. Denn sowohl die Körperspezifizität als auch die gesellschaftliche Positionierung von Olamina versetze sie in die Lage, nicht nur die in der Gegenwart stattfindenden Ereignisse zu erfassen, zu interpretieren und auf sie zu reagieren, sondern auch zukünftige Geschehnisse zu antizipieren. Dies wird von Mombaça als eine Form von proaktivem Pessimismus betrachtet (Mombaça 2021, 55).
Im Titel des Projekts A CERTAIN DEATH/THE SWAMP: On Preservation as Metamorphosis hallt dieses spekulative poetische Verfahren nach. »Die Zwischenwelt: A CERTAIN DEATH/THE SWAMP« umfasste eine Reihe von Akteur:innen, darunter Videokunst, Keramikgefäße oder Regenfänger, schlammige Erde und versunkene Textilien, ein Gemälde aus Kohle und Pigmenten sowie Metallstative, die mit Zeichnungen und in einem Fall mit einem Text drapiert waren. Das Stativ mit dem Text war die einzige an der Installation teilnehmende Akteur:in. Der Text lautete: »Yes, I am afraid«.
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
1/51/5 Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023.
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5/55/5 Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023.
© Diana Pfammatter/CCA BerlinAngst wird von der Künstlerin als eine Möglichkeit der Überwindung einer Zukunft betrachtet, deren Materialisierung bereits in der Gegenwartserfahrung beginne. Dabei wird die Möglichkeit erörtert, eine »dichte spekulative Textur« (Mombaça 2021, 55) mit dem Zustand der Angst zu verweben, um auf die gegenwärtige Apokalypse reagieren zu können. Mombaça zufolge ermögliche diese Geste »selbst angesichts der dichtesten Diagramme der Unmöglichkeiten erneut ein Mögliches zu erschaffen« (Mombaça 2021, 55). Somit wird Angst von der Künstlerin als eine Möglichkeit der Imagination und Intuition betrachtet, die in erster Linie von denjenigen aktiviert werden könne, deren Leben von intersektionalen Unterdrückungssystemen und der daraus resultierenden Gewalt geprägt ist.
Die Prämisse von Olaminas experimenteller Theologie, »God is change«, nimmt innerhalb von Mombaças eigenen spekulativen Verfahren die Form einer verschränkten, more than human Metamorphose an. Die Annahme einer umfassenden, alle beteiligten Akteur:innen überspannenden Wirkmächtigkeit bzw. Handlungsfähigkeit, die sich in der fortwährenden transformativen Möglichkeit des Weiterbestehens manifestiert, bildet die Grundlage für Mombaças Verfahren. Dabei wird eine ausgedehnte, über alle teilnehmenden Akteur:innen hinausreichende Handlungsfähigkeit anerkannt, die sich in der Möglichkeit einer ständig transformierenden Existenz manifestiert. Dies impliziert die Fähigkeit zu kultivieren, sich mit dem unabwendbaren Tod zu konfrontieren, ohne dabei die daraus hervorgehenden Möglichkeiten der Materialisierung außer Acht zu lassen. Das Projekt bezieht sich auf die Überschwemmungen, die 2021 im Ahrtal und im Osten Belgiens eingetreten sind. Es kann als eine spekulative Geste verstanden werden, die eine Antwort auf die gegenwärtige globale Krise zu konturieren versucht.
Die im Projekt generierte spekulative Geste brachte eine Zwischenwelt hervor, in der die Verschränkung von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dimensionen, die darin zutage treten und rekonfiguriert werden, eine Fortsetzung der Existenz in neuen Formen ermöglichte. Die Möglichkeit des Weiterbestehens als Metamorphose impliziert die Teilnahme unterschiedlicher, techno-materiell-diskursiver, more than human Akteur:innen, deren Interaktionen in die hegemoniale Weltordnung intervenieren und folglich neue Formen der Welthervorbringung offenbaren. Materiell-diskursive Praktiken verschiedener Elemente der sogenannten Natur wurden in der Zwischenwelt A CERTAIN DEATH/THE SWAMP in Erscheinung gebracht. Der Fokus lag in keiner Weise darauf, welche Vermittlungen der Mensch inmitten apokalyptischer und unkontrollierbarer Phänomene zu bewirken vermag. Stattdessen wurde der Schwerpunkt auf die Erschaffung von Zwischenwelten gelegt, in denen verschränkte Handlungsfähigkeit bzw. Wirkmächtigkeit more than human Akteur:innen aktiviert und somit neue Möglichkeiten der Materialisierung intelligibel gemacht werden konnten.
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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© Diana Pfammatter/CCA BerlinIn Mombaças künstlerischer Praxis, die sie 2022 in einer Paneldiskussion der DLD Conference erläuterte, lässt sie Elemente wie Erde, Wasser, Wind und Feuer sowohl auf einer affektiven als auch auf einer kognitiven Ebene zum Ausdruck kommen:
»I'm interested in the way the elements sense or think, write, speak, draw. In the tired watering: I'm interested in how the earth expresses. What water has to say about global warming, about the planetary condition that we are facing right now: I try to attune, to sense and to communicate with water: I wanna give space for water expression, give place the elements to express. I'm interested in the possibility that human species leave the central spot of existence on this planet and see space as a more dynamic, non linear form of existence that encompasses the way the elements think and act: Water is expressing something about our planetary condition.« (Mombaça 2021, 55)
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
1/21/2 Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023.
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
2/22/2 Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023.
© Diana Pfammatter/CCA BerlinDie Künstlerin unternahm den Versuch, die Choreografien zwischen den Akteur:innen zu verfolgen und die von ihnen erzählten Geschichten zu materialisieren. Jene Geschichten basierten auf einer Interaktion der Interdependenz, in denen Entfaltung zukünftiger Möglichkeiten der Materialisierung abgelesen werden können. Im CCA Berlin wurde eine parallele Zwischenwelt materialisiert, in der durch die Interaktion verschiedener materiell-diskursiver Akteur:innen und räumlich-zeitlicher Dimensionen, postanthropozentrische Geschichten verwobener Gegenwart-Zukunft wahrgenommen und gefühlt werden konnten. Mombaça verwendete dabei ein breites Methodenrepertoire, das neben Video, Installation und Skulptur auch orale und geschriebene Sprache umfasst. Dem Ansatz der amerikanischen Philosophin Karen Barad zufolge, sind Apparate (1) bzw. diskursive Praktiken keine lediglich vom Menschen ausgehenden Aktivitäten, sondern spezifische materielle (Re-)Konfigurationen der Welt, durch die Grenzen, Eigenschaften und Bedeutungen differenziert hervorgebracht werden. Materie sei somit keine feste Essenz, sondern ein dynamischer Prozess, ein wechselseitiges Werden (Barad 2007, 184). Die von der Künstlerin mobilisierten unterschiedlichen Ausdrucksformen fungierten als Apparate der Bedeutungs- und Körperproduktion, durch deren spekulativen Einsatz die Geschichten verwobener Elemente sowohl erzählt als auch materialisiert wurden.
Das Videoformat in der Ausstellung A CERTAIN DEATH/THE SWAMP stellte einen Apparat dar, welcher eine spekulative Geste der Grenzziehung und Grenzverschiebung erlaubte. Die Verschränkung zweier scheinbar voneinander getrennter Raumzeiten wurde durch die Interaktion der im Amazonasgebiet befindlichen Mangroven und Sümpfe von Pará mit Berlin ermöglicht. Dabei wurden scheinbar voneinander getrennte Raumzeiten miteinander verknüpft. Die etwa 700.000 Hektar großen Mangroven- und Sumpfgebiete weisen eine kontinuierliche Zufuhr von Süßwasser auf, die durch Regenfälle sowie durch die Flüsse der Guajará-Bucht gewährleistet wird. Die Kamera offenbarte die Bewegungen der Wolken, infolgedessen wurde ihre partikulare Perspektive hinsichtlich der planetaren Zustände wahrnehmbar. Mombaça zufolge sei das Wasser imstande, Aussagen über den Zustand des Planeten zu vermitteln, die als »wahre Wissenschaft« zu begreifen seien. Diese hätten dazu beitragen können, Entscheidungen bezüglich des Modus Vivendi der Gesellschaft zu treffen sowie Folgendes anzuerkennen: »water has a particular form for addressing the problem that sometimes even our most brilliant minds can not reach. So we can actually give water space to express.« (Mombaça und Sorresso 2022) Diese Annahme legt nahe, dass Wissensproduktion keine ausschließliche menschliche Angelegenheit ist und jede:r Akteur:in, die sich in-der-Welt befindet, über spezifische epistemologische Apparate verfügt. Diese Wissensformen, die die Bewegungen des Wassers, der Erde und der Sümpfe in sich tragen, hätten sich, so die Künstlerin, durch Kunst und Poesie herauskristallisieren können. Darüber hinaus fungiere Kunst als ein Medium zur Kreation von Welten, in denen die Verschränkungen vermeintlich voneinander getrennter Raumzeiten konturiert werden könnten.
Eine Gruppe von Regenfängern aus dem Jahr 2023, wie die Künstlerin sie nennt, war im Raum verstreut arrangiert. Mombaça fertigte Keramikgefäße, die vierzig Tage auf dem Grund des Berliner Waldsees versenkt und anschließend geborgen wurden. Diese amorphen Gefäße trugen die Spuren des Wassers und seiner Eigenschaften. Denn während der Zeit auf dem Grund des Sees sammelten sich Sedimente an ihren Oberflächen und in ihren Vertiefungen. Dieser Prozess der von Mombaça als »the radicality of sinking« begriffen wird, setzte eine Praxis fort: Zuvor hatte die Künstlerin Skulpturen in einem Amsterdamer Kanal nahe der Rijksakademie, in der San Francisco Bay und in einer venezianischen Lagune versenkt.
Die Schriftstellerin und Kunsthistorikerin Amelia Groom veranschaulicht in ihrem Essay »Raised on Foundations of Slime«, dass Jota Mombaça eine skulpturale Praxis verwendet habe, die aus Ritualen des Versenkens, Eintauchens und Wiederauftauchens besteht, um mit den Tiefen der Gewässer in Kontakt zu treten. Im Essay wird dargelegt, dass Bündel von Stoffen über einen Zeitraum von mehreren Wochen unter Wasser gelassen worden seien und sich in »Geister« verwandelt hätten. Diese Veränderungen hätten sich in Form von Schmutzablagerungen, Rostflecken, Spuren von Begegnungen mit Fischen und anderen Meeresbewohnern, Kratzern von Felsen oder anderen versunkenen Objekten sowie Abdrücken von Algen, Salz und Schlamm manifestiert. Diese Anzeichen sollen auf die Interaktionen von Unterwasserlebewesen in ihrer Zeit in den Tiefen hinweisen (Groom 2024).
Diese Geister können als multiraumzeitliche Akteur:innen interpretiert werden, die sich in den Regenfängern versunkener Textilien manifestieren. Die in jenen Geistern sedimentierten Geschichten und hinterlassenen Spuren werden erzählt, indem sie mit den anderen Akteur:innen der Zwischenwelt A CERTAIN DEATH/THE SWAMP interagieren. Dadurch wird eine lineare Temporalität durchbrochen und die im Wasser sedimentierten Geschichten der dort lebenden Akteur:innen in der Zwischenwelt aktualisiert. In dieser Verschränkung werden sowohl die Materialität einer nicht linearen Geschichte als auch die Entstehung einer zwischen Raumzeit erkennbar.
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
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Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023. © Diana Pfammatter/CCA Berlin
7/77/7 Jota Mombaça, A CERTAIN DEATH/THE SWAMP, Installation view, CCA Berlin, 2023.
© Diana Pfammatter/CCA BerlinDiese zwischenweltkonstituierenden Akteur:innen interagieren in »a non-linear, mysterious way, forming a map of something we don't know yet, the planet's emotion, which is a geography that refuses a cartographical gesture« (Mombaça/Sorresso 2022). Die Möglichkeit, sich einer kartografischen Geste zu entziehen, kann als ein Akt des Widerstands gegen das Interpretationsmandat der Rationalität betrachtet werden, die die Teilnahme an einer alternativen Form des Welthervorbringens erlaubt. Die in diesen spekulativen Praktiken eingesetzten Apparate bewirken spezifische materielle (Re-)Konfigurationen der Welt. Dadurch werden nicht nur, wie Barad erläutert, Grenzen gezogen, Eigenschaften und Bedeutungen hervorgebracht, sondern es können auch Affekte entfesselt werden, die an der Metamorphose beteiligt sind. Die Mobilisierung dieser Geste erlaube, so Mombaça, die Affekte, die innerhalb von A CERTAIN DEATH/THE SWAMP zirkulieren, zu materialisieren. Die Künstlerin behauptet, die Zwischenwelt »is not to be sensed as a scientific tool, but as a sentient landscape, as uncontained knowledge« (Mombaça/Sorresso 2022). Diese Gefühlsgefüge werden folglich durch verschränkte materielle und diskursive sowie affektive Praktiken der beteiligten Elemente vergegenwärtigt, die eine spezifische Perspektive und eine verwobene Handlungsfähigkeit bzw. Wirkmächtigkeit besitzen und deren Begegnung eine unbeschränkte Mannigfaltigkeit an Wissensformen in sich birgt.
Innerhalb des materialistisch-diskursiven Gefühlsgefüges wird nicht nur eine Dezentrierung des Anthropos vorgenommen, sondern es werden auch neue, schöpferische Verbindungslinien gezogen, durch die neue Formen der Verwandtschaft und des Lernens hervorgebracht werden können, wie Haraway in ihrem Buch Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene postuliert. Anhand der Frage »Wie kann man unruhig und beunruhigt bleiben?« und ihrer Antwort »durch eine Kombination aus kreativer Freude, Schrecken und kollektivem Denken« (Haraway 2018, 9) wird im Buch dargelegt, dass durch kreative Verbindungslinien nicht nur neue Formen von Verwandtschaft, sondern auch des gemeinsamen Lernens geschaffen werden können. Die spekulativen Praktiken, die A CERTAIN DEATH/THE SWAMP konstituieren, beantworten diese Frage aus der Perspektive eines verkörperten, proaktiven Pessimismus, dem Unruhe und Angst inhärent sind und der aus diesem Grund auf eine partikuläre Art und Weise aktiviert werden kann. Die Möglichkeit des Weiterbestehens wird durch den proaktiven Pessimismus expandiert, denn ihre Mobilisierung impliziert nicht nur eine Kombination aus kreativer »Freude, Schrecken und kollektivem Denken«, sondern auch eines kollektiven nicht-anthropozentrisch erworbenen Denkens, Erzählens und Fühlens. In der Zwischenwelt A CERTAIN DEATH/THE SWAMP werden materiell-diskursive Gefühlsgefüge gebildet, durch die sowohl die anthropozentrische hegemoniale Welt außer Kraft gesetzt und herausgefordert wird als auch eine alternative Art und Weise in der Welt zu sein, zu fühlen und zu werden, erfahrbar gemacht wird. Denn die materiellen Gefühle und Sensationen, die in diese Zwischenwelt eingeschrieben sind, erschaffen neue Möglichkeiten, zu handeln und tätig zu werden.
Text von Kaimé Guerrero Valencia
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(1) Karen Barad entwickelt ihr Konzept der Apparate durch eine diffraktive Lektüre der Theorien von Niels Bohr, Michel Foucault, Judith Butler und Donna Haraway. Barad zufolge sind Apparate nicht nur technische oder experimentelle Vorrichtungen, sondern vielmehr spezifische materiell-diskursive Praktiken, die aktiv Materie und Bedeutung hervorbringen. Sie sind demnach als offene, prozesshafte Grenzziehungspraktiken zu betrachten, die Unterschiede erzeugen und damit Raumzeitmaterialisierungen aktiv rekonfigurieren.
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Literaturverzeichnis
Barad, Karen. 2007. Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning. Durham und London: Duke University Press.
Butler, Octavia E. 2007. Parable of the Sower. Reissued. New York, NY: Grand Central Publishing.
Butler, Octavia E. 2007. Parable of the Talents. Reissued. New York, NY: Grand Central Publishing.
Groom, Amelia. 2024. Raised on Foundations of Slime. Plot(ting), Gerrit Rietveld Academie Research Group Art & Spatial Praxis (LASP).
Haraway, Donna J. 2018. Unruhig bleiben: Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän. Frankfurt und New York: Campus Verlag.
Mombaça, Jota. 2021. Não vão nos matar agora. Encruzilhada Bd. 1. Rio de Janeiro: Cobogó.
Mombaça, Jota und Sorresso, Lauren. 2022. Six Questions. The Sinking Ship/Prosperity. Eine Soloausstellung bei KADIST San Francisco.
Videos
DLD Conference. In the Tired Watering (YouTube Video), Hans Ulrich Obrist and Jota Mombaça, 21:11 min. Hochgeladen am 21. Mai 2022. Zugriff am 04. März 2025.