English abstract: Asja Lācis in BRD und DDR

The joint academic and artistic research by Mimmi Woisnitza and Konstanze Schmitt on the constructivist theatre-maker Asja Lācis is devoted in this article to the question: »›Revolutionary in her profession‹ or ›collaborator‹?«, the representation and self-representation of Asja Lācis in East and West. Beata Paškevica (Riga) is a literary scholar and published the first biography of Asja Lācis in 2006 with »In der Stadt der Parolen«. The historian Moritz Neuffer reports on his work on the estate of Hildegard Brenner, who published Asja Lācis' memoirs in West Germany in 1971. Annett Gröschner intervenes in the form of the autobiographical narrative. And Karlheinz Mund reports on the making of his film »Die Mit-Arbeiterin« (GDR 1972) and shows previously unpublished film footage of Asja Lācis, which was created in the context of this production.

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Asja Lācis in BRD und DDR (German)

Das zweite Labor am 10. März 2023 im Brecht-Haus Berlin widmet sich der Darstellung und Selbstdarstellung von Asja Lācis in Ost und West. Im Fokus standen drei dokumentarische Positionen, die die Spezifik der Lācis-Rezeption in DDR, BRD und aus postsozialistischer Perspektive erhellten: Die Literaturwissenschaftlerin Beata Paškevica (Riga) berichtete von ihrer Arbeit an der für die Lācis-Forschung wegweisenden, ersten Werkbiographie zu Lācis »In der Stadt der Parolen. Asja Lācis, Walter Benjamin und Bertolt Brecht« (2006), erläuterte die sich wandelnden blinden Flecken der Forschung und die negative bzw. nicht vorhandene Rezeption von Lācis in Lettland; der Historiker Moritz Neuffer bot Einblick in z.T. unbekanntes Archivmaterial aus dem Vorlass von Hildegard Brenner, die mit der Herausgabe von Asja Lācis’ Erinnerungen 1971 in die damals im Theoriediskurs vorherrschende, antikommunistische Benjamin-Rezeption intervenierte; Karlheinz Mund erzählte von den Produktionsbedingungen seines Filmes »Die Mit-Arbeiterin« (DDR 1972), in dessen Kontext er u.a. nach Riga reiste, wo ein ausführliches, bislang unveröffentlichtes Filminterview mit Lācis entstand, aus dem wir erstmals Ausschnitte zeigen konnten. Im Zentrum standen dabei die jeweiligen kulturpolitischen Kontexte, Projektionen und ideologischen Färbungen, in denen und aus denen heraus die Figurierung von Lācis und ihrer Praxis gewonnen wurde. Dies wirft unweigerlich die Frage nach unseren heutigen Beweggründen auf, sich wieder mit Asja Lācis zu beschäftigen.

Wie im ersten Labor ging es auch dieses Mal darum, die Relationalität der Beziehungen nicht allein auf den Gegenstand bezogen zu wissen, sondern auch auf das Veranstaltungsformat und die Art und Weisen des Miteinander in Austauschtretens zu übertragen. Ein performativer Auftakt mit intimen Gesprächen, Bewegung im Raum und objektbezogener Vorstellungsrunde verhalf zu einem Aufbrechen des akademischen Settings. Die von Konstanze Schmitt konzipierte konstruktivistische Raumgestaltung mit Bühnenpodesten folgte dieses Mal dem Prinzip der Sammlung: Ein großer Tisch im Zentrum bot Fläche als Bühne, für das Auslegen mitgebrachter Objekte und für diskursiven Austausch.

Im Anschluss an den Workshop fand die Vorführung des Films »Die Mit-Arbeiterin. Gespräche mit Elisabeth Hauptmann« (Dokumentarfilm, Karlheinz Mund, DDR 1972, 58 min.) mit anschließendem Produktionsgespräch für ein öffentliches Publikum statt.